Tag 1: Anreise und Crews
Die Anreise zur Charterbasis in Lavrio war unterschiedlich.
Ossi, Sepper, Jogi und Ben reisten bereits einige Tage früher an, verbrachten kurze Zeit auf Euböa und kauften Lebensmittel-Vorräte ein. Die Vorab-Jungs kümmerten sich auch um die Getränke (wichtig !) und füllten Kühlschränke und Stauräume auf beiden Yachten.
Fehlendes Boots-Equipment seitens des Vercharterers (z.B. Kaffeekanne) wurde vor Ort nachgeordert und komplettiert. Auch die Automatik-Westen/lifebelts wurden auf Vollständigkeit geprüft. Andy reiste allein ab Stuttgart via Athen an. Die anderen Crew-Mitglieder konnten aufgrund einer Drohnenwarnung am airport München erst mit 4-stündiger Verspätung und Umleitung via Geneve in Athen eintreffen. Der Taxi-Transport vom airport Athen zur Charterbasis bei Lavrion (ca. 45 min) war hingegen problemlos. Am frühen Abend konnten die gecharterten Yachten von den Crews wie folgt belegt werden:
Solaris 44 Bootsname: Gavabonda
Skipper Jürgen „Jogi“ Schindler, Co-Skipper Josef „Sepper“ Kuhn, Uwe Huber, Andy Sorg, Markus Ullrich, Dietrich Maag
Pogo 44 Bootsname: Apollo
Skipper Thomas „Ossi“ Münzer, Co-Skipper Michael Wolf, Ben Forberger,
Notker Steinhauser, Uwe Haßel
Die beiden Skipper erledigten routiniert mit dem Vercharterer die Bootsübernahme und offene Fragen konnten geklärt werden.
Dann schnappten sich beide Crews Taxis ins Städtle und wir ließen in Lavrio bei einem landestypischen Dinner den Segeltörn ganz entspannt angehen.
Tag 2: Lavrio - Insel Kea
Nach einem kleinen Bord-Frühstück bei sonnigem Wetter erfolgte eine kurze Abstimmung zwischen den beiden Skippern zum Tagesziel. Beide Yachten wurden noch betankt und high noon liefen wir aus. Mit Kompaßkurs 160 Grad segelten wir um die langgestreckte, vorgelagerte Insel Makronissi und mit 100 Grad Richtung Kea. Bei 2 bis 4 Bft. konnte auf der Apollo von der Fock auf den großen Gennaker (the“ blue beast“) gewechselt werden sodaß unsere „Renn-Semmel“ hurtig auf 9,2 Knoten beschleunigte. Bei bestem Wetter und Temperaturen um die 24 Grad C (Meer 22 Grad C) war dies schon „smooth sailing“ !
Alle Gesichter strahlten, das fängt ja gut an!
Anlegen im Hafen Korissia (Insel Kea) um 16.40 „römisch-katholisch“ d.h. über Buganker mit Heck zur Pier. Großes Hallo und Betrieb am Kai weil viele Charteryachten und Gäste bereits da waren. Der Hafenmeister bzw. die Marineros kamen ins Schwitzen.Traditionsgemäß wurde an Bord unserer beiden Yachten ein Ankerbier gezischt. Das kleine Restaurant fürs gemeinsame Abendessen war nur 20 Schritt vom Boot entfernt. Kurze Wege, perfekt !
Tag 3: Kea - Siros
Holla ! Sollte sich das Wetter etwa verschlechtern ? Der Wind bläst mit 4 Bft. aus 170 Grad und wir segeln um 11.00 vom Hafen Korissia zunächst eine Meile nordwärts um das Nordkap von Kea und danach mit MgK 111 Grad Richtung Nordspitze der Insel Siros.
Bei mittlerweile 4 – 5 Bft und 1 bis 1,5 Meter Welle gleitet unsere Apollo unter Großsegel und Fock fröhlich dahin. Leider bewölkt sich der Himmel und gelegentliche, später heftige Regenschauer lassen uns in wärmere Seglerkleidung schlüpfen. Zwischendurch flaute der Wind auf 1 – 2 Bft ab.
Segel bergen um 17.40. Unter Maschine im Hafen Ermoupoli eingelaufen. Die Kameraden auf der Gavabonda waren schon da. 18.30 Anlegen und Ankertrunk.
Ermoupoli ist ein geschäftiger Hafen und wird – wie vorher auch Korissia – täglich von großen Schnellfähren angelaufen. Einer dieser dicken Dampfer hat mit seinem großen Kamin den ganzen Abend mit schwarzen Rauchschwaden den Hafen eingestunken. Hafenromantik sieht anders aus !
Die ganze Nacht stand Gewell auf die Pier und das Schlafen in den Kojen war von Geschaukel und Wellenschlag begleitet.
Tag 4: Siros - Serifos
Heute morgen ist es noch bedeckt und kühl und wir verlassen Ermoupoli – nach vorheriger Abstimmung mit der zweiten Crew – frühzeitig um 8.00
Wir lassen eine kleine, dem Hafen vorgelagerte Insel steuerbord liegen und setzen Kurs 240 Grad zur Insel Serifos. Der Wind bläst frisch mit 5 Bft und bei 2 m Welle und einem Reff im Groß (Lattensegel, flat head) kommt unsere Kiste so richtig in Fahrt ! Jippieeijeee !
Micha, Notker und ich wechseln uns auf dieser Überfahrt an der Pinne (!) ab, und jeder von uns Steuerleuten versucht bei böigem Wind durch Anluven und Abfallen am Wellenhang noch mehr Geschwindigkeit rauszukitzeln. Speedmaster heute: Uwe mit 12,5 Knoten. Auch dank des Doppelruders und konzentrierter Teamarbeit (einer an der Pinne, der zweite mit Hand am Traveller) wurde ein „Sonnenschuß“ vermieden. Das Kielwasser am 4,5 Meter breiten Heck war beeindruckend. Die Pogo 44 ist schon ein heißer Feger und am Wellenhang hatten wir sie beinahe am Surfen ! Und unter der Backbord-Saling flatterte lustig der WVF-Clubstander.
Gegen 12.00 flaute der Wind auf 3 Bft ab. Doch zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon die größte Strecke gesegelt und befanden uns vor der Ostküste der Insel Serifos. Bereits um 12.30 konnten wir in den Hafen Livadi einlaufen und am sonnigen Kai über Buganker mit dem Heck festmachen. Mittlerweile strahlte die Sonne von einem azurblauen Himmel. Unsere Segelkameraden auf der Gavabonda unter dem strengen Kommando von Jogi machten kurze Zeit nach uns ebenso fest.
Selbstverständlich gab´s nach dem Anlegen einen ordentlichen Ankerschluck und ich kam nebenan ins Gespräch mit 2 Französinnen die mit einigen Freunden auf einer 50-Fuß-Yacht drei Monate im Mittelmeer unterwegs waren. Auch nicht verkehrt. Nachdem wir heute bei zeitigem Aufbruch eine sehr schnelle Überfahrt hatten, blieb nun der Nachmittag für persönliche Freizeit. Käptn Ossi gab uns Landgang !
Und während die anderen Kameraden entweder an Bord oder am Kai relaxten oder kleinere Besorgungen im Dorf erledigten, liehen wir – Jogi, Andy und ich – uns je einen leistungsstarken Roller um auf 2 Rädern diese Insel zu erkunden. Nach einer kompletten Insel-Umrundung mit einigen Abstechern über steile Stichstraßen bzw. dirt roads hatten wir am Ende 70 km auf dem Tacho.
Gegen 19.00 haben wir alle zusammen im nahe gelegenen Fischrestaurant zu Abend gegessen und auch die Vorzüge und Nachteile der beiden so unterschiedlichen Yachten diskutiert.
Ein Gewitter mit wolkenbruchartigen Regenfällen brachte eine spürbare Abkühlung an diesem Abend.
Tag 5: Serifos - Kithnos
Nach einer ruhigen Nacht in dieser geschützten Bucht folgte ein fröhliches Frühstück an Bord. Die Sonne lachte wieder von einem blauen Himmel auf unsere gutgelaunten Segler. Tagesziel heute: eine ruhige Bucht auf der Ostseite der Insel Kithnos. Entfernung ca. 20 sm
Auslaufen Hafen Livadi: 10.25 Segel setzen: 10.45
Bei 3 Bft und ruhiger See segelten wir unter Groß und Fock nordwärts. Gegen 12.00 flaute der Wind ab und es ging gemächlicher voran Richtung Ankerbucht.
Die Apollo suchte sich einen guten Platz, frei von Seegras und ließ den Anker 14.00 fallen. Die Backschaft servierte Campari-Orange. Kurz darauf kamen die Kameraden auf der Gavabonda und ankerten ca. 50 Meter von uns entfernt. Hier fanden wir eine landschaftlich schöne, ruhige und gegen fast alle Winde geschützte Bucht namens Stephanou. Nur ein blitzblank geputzter Zweimaster (ca. 150 Fuß) der Luxusklasse ankerte in gebührendem Abstand. Über seinem Heck flatterten die stars and stripes.
Den restlichen Nachmittag verbrachten die Crew-Mitglieder von beiden Yachten mit entspannen, dösen, Baden von Bord, Nahrung zubereiten und Landausflug per Gummi-Dinghi (welches Ben von der Apollo aufpumpte und mit E-Motorle startklar machte). Ich versuchte auf dem Vorschiff mein Glück als Hobby-Angler. Hoffnungen der Mitsegler auf frisch gefangenen Fisch zum Abendessen mußte ich leider enttäuschen. Bis auf eine kleine Sardine kam nichts Größeres an den Haken. Gut, daß Michael und Ben im letzten Hafen preiswert 2 Säcke Muscheln und Gambas gekauft hatten ! Somit bereiteten unsere beiden Chefköche an diesem Abend an Bord Spaghetti Vongole mit reichlich Gambas zu. Die Portionen waren sehr üppig und dazu reichte man Bier und Weißwein. Einfach köstlich !
Es folgte eine ruhige, klare Vollmond-Nacht in einer der schönsten Ankerbuchten der Kykladen.
Tag 6: Kythnos - Kea
Heute morgen war die Mannschaft relativ früh wach, denn die Sonne schien schon zeitig über den Hügel. Das Frühstück wurde vorbereitet und einige unserer Segler nutzten die Zeit für ein frühes Bad im Meer. Die Crew von der Gavabonda teile uns über Funk mit, daß ihr Bord-Bäcker Andy soeben frische warme Seelen zubereitet hatte. Micha schwamm kurzerhand rüber zur Gavabonda und übernahm die Seelen in einer Plastiktüte. Die Seelen schmeckten einfach lecker ! Danke dafür, Andy !
Bei herrlichem Wetter setzten wir um 10.00 Segel und liefen parallel zur Gavabonda
auf MgK 10 Grad und 4 Bft nordwärts. Am Kap Spathi (Nordost-Kap der Insel Kea) hatten wir noch mit lästigen Winddrehern bzw. –löchern zu kämpfen, sodaß die Kameraden auf der Gavabonda (welche deutlich mehr Höhe laufen konnte) die Nasen wieder vorn hatten. Bei 2 Bft und 5,5 kn Geschwindigkeit segelten wir an der steilen und felsigen Nordküste von Kea entlang mit dem Blick auf einzelner Häuser, viele aufgegebene Bau-Ruinen und pittoreske Kirchlein mit typischer hellblauer Dachkuppel.
Zusammen mit der Gavabonda liefen wir um 15.40 in Korissia ein. Dieses Mal waren wir früher dran und konnten somit leichter einen Platz mit Heck zum Kai ergattern. Die Kameraden von der Gavabonda legten sich daraufhin längseits, sodaß alle WVF-Segler wieder auf Tuchfühlung waren. Allgemeines Ankerbier und großes Hallo war obligatorisch.
Eine Frage war noch offen: was gibts heute Abend zu essen ?
Die Jungs von der Gavabonda entschieden sich fürs (wieder mal) griechische Essen im kleinen Hafenrestaurant nahebei , bei uns auf der Apollo gabs Reste-Essen Spaghetti vongole pikant mit Knoblauch und chillies sowie griechischem Bauernsalat, zubereitet von Smutje Ben.
Die Mannschaft um Skipper Ossi ging früh in die Kojen, bei Jogis Crew waren nachts noch zwei „Feier-Biester“ lange am Kai unterwegs um mit anderen, internationalen Seglern Kontakt aufzunehmen.
Tag 7: Kea - Lavrio
Auch heute, am letzten Segeltag, war uns der Wettergott hold und sorgte für die Überfahrt in die Charterbasis Lavrio mit reichlich Sonne, 4 Bft und leichtem Seegang für beste Segelbedingungen. Ablegen Korissia: 9.20
Wir Vorschoter von der Apollo wollten heute nochmal den großen, blauen Gennaker ziehen. Unser Skip war einverstanden und so fuhren wir zunächst unter Maschine mit MgK 320 Grad Richtung Kap Trypiti um bei Höhe der Nordspitze der Insel Makronissi den großen Blauen zu setzen. Von dort segelten wir auf Raumschots-Kursen südwärts. Die Logge zeigte durchgehend 8 bis 9 Knoten. Die Kiste lief wieder formidable ! 12.00 hatten wir Kap Angelistros stB querab und der Wind legte vor dem Kap noch etwas zu. Unser Sportgerät beschleunigte auf 10 Knoten und den Rudergängern (abwechselnd Notker, Micha und ich) stand das Grinsen bis hinter die Ohren ! Ein Luv-Duell mit einem Hamburger 50-Füßer mußten wir jedoch verloren geben. Egal, Hauptsache Spaß hats gemacht ! Nach einer sauberen Kreuz in der Seestraße westlich Makronissi bis vor die Hafeneinfahrt vom Sportboothafen Lavrio konnten wir um 14.40 wieder am Steg der Charterbasis festmachen. Wie nach jedem Segeltag wurde das Schiff aufgeräumt und geputzt. Gegen 17.00 kam ein Vertreter des Vercharterers an Bord (ich glaub es war sogar der Chef) und die Abnahme-Formalitäten wurden abgewickelt. Eine einwandfreie Übergabe von Kahn und Equipment war selbstverständlich. Bei unseren Kameraden auf der Gavabonda lief es ähnlich, nur Skipper Jogi hatte ein paar Kritikpunkte zu Ausstattung und Handling der Solaris 44 anzubringen. Zum gemeinsamen Abschluß-Essen fuhren wir 11 Segler mit Taxis ins Städtle um im guten Fischrestaurant den Segeltörn ausklingen zu lassen.
Tag 8: Abreise und Resümee
Aufstehen 7.00 Allgemeines Aufräumen, Taschen und Rucksäcke packen, 8.00 am Steg ein Kaffee und Croissant auf die Hand. Transit per Taxis an den airport Athen. Verspäteter Abflug wird angezeigt. 10 Segler gemeinsam mit Lufthansa retour nach München. Selbstbucher Andy 2 Std. später hinterher.
Resümee: Wir konnten gemeinsam einen gut vorbereiteten und organisierten Segeltörn auf zwei unterschiedlichen, schnellen Yachten genießen. Bei überwiegend sonnigem Wetter und guten Windverhältnissen konnten wir jeden Tag segeln und erlebten eine tatkräftige, tolerante und fröhliche Kameradschaft.
Reisebericht von Uwe Haßel
https://wvfischbach.de/139-wvf-crews-in-griechenland-segeltoern-kykladen-4-11-oktober-2025#sigProId265f806f12

